Willkommen auf der Seite der feg-runners.

Da wir regelmäßig laufen, werden wir immer besser, aber eigentlich ist dies nicht unsere Motivation.
Miteinander eine gute Gemeinschaft haben, Erfolge zusammen feiern und sich durch Verletzungen tragen, dass ist die Ziellinie.

Und hier kannst Du, egal wie fit Du bist, ganz locker und entspannt einfach mal bei unserem Laufspass mitmachen.

Jeden Samstag um 9:00 h am Waldparkplatz oberhalb der Lucke. Entlang der Hohen Strasse kann man zwischen zwei Rundkursen wählen. Entweder 8 oder 14 km.

Falls Interesse, kannst Du Dich der WhatsApp Gruppe anschließen und erfährst so über alle weiteren Trainingstreffen und Laufevents

Wir nehmen absolut Rücksicht auf Anfänger. Alle 4 km machen wir kleine Gehpausen oder teilen die Läufer in gleich starke Gruppen auf.

Alles Liebe und Gute Uwe

Dienstag, September 15, 2009

Die Kraft aus der Socke Finisher beim härtesten Marathon Europas von Birgit-Cathrin Duval




Das Wetterwunder von Interlaken

Wie wird das Wetter – das war die alles beherrschende Frage am Tag vor dem Rennen. Der Wetterbericht war alles anderes als rosig. 9 Grad und Dauerregen am Start, für die Kleine Scheidegg wurde sogar Schneefall vorausgesagt. Abends beim Spaghettiessen drehen sich die Gespräche in unserer Läuferrunde nur das Thema Anziehen und Phils Wade. Die Berge um Lauterbrunnen sind dicht in Wolken gehüllt. Und Phil hat seit Wochen Probleme und Schmerzen mit seiner Wade. Damit er den Lauf übersteht, hat er sich neue Socken gekauft. Nicht irgendwelche Socken, sondern die Kompressionsstrümpfe von cep. : 48 Euro haben sie gekostet. Ob sich das Investment bezahlt macht? Phil ist skeptisch.

Wir gehen nach einem leckeren Spagettiabend (Danke Tiffany für das tolle Essen!) zu Bett. Es regnet die ganze Nacht über. Die Berge sind in dicke Wolken gehüllt. Samstagmorgen um viertel vor sechs öffne ich das Fenster und traue meinen Augen kaum: Ich sehe Sterne und die Berge. Kann das wirklich wahr sein? Die Schlechtwetterfront ist abgezogen! Es ist kalt, aber keine Wolke am Himmel zu sehen.
Das Frühstück ist lecker, energiereich und kurz. Viertel nach Sieben geht’s zum Bahnhof in Lauterbrunnen. Im Zug letzte Vorkehrungen: Füße und Zehen werden abgeklebt, Marschzeiten besprochen.


Fast den Start verpasst
Startbereich auf der Promenade in Interlaken, kurz vor 9 Uhr. Der Sprecher weißt die Läufer an, sich jetzt in ihren jeweiligen Startbereich zu begeben. Ich will mich ganz woanders hinbegeben. Noch immer stehe in einer Schlange vor den Dixi-Toiletten. Und das seit 20 Minuten! Yvonne, Silke und Tammy haben sich nach mir in einer anderen Reihe angestellt und sind schon fertig, während bei mir immer noch zwei Leute vor mir anstehen! Jetzt kündigt der Sprecher die Schweizer Nationalhymne an! Endlich wird die Box frei! Phil und mir bleibt kaum Zeit – noch zwei Minuten bis zum Start. Wir rennen in unseren Startbereich und reihen uns beim 6-Stunden-Pacemaker, erkennbar am orangefarbenen Ballon, ein. Der Startschuss fällt, das Rennen beginnt! Einige Raketen knallen und zaubern einen Lichtblitz in den Himmel. Rechts von uns glänzt das Jungfrau-Massiv im Licht der Sonne.
Stimmung Stimmung Stimmung




Volksfeststimmung. Nicht nur in Interlaken sondern überall auf der Strecke werden die Läufer frenetisch gefeiert! Mit riesigen Kuhglocken, Pfeifen, Rattern, Gugge-Musiken und Blasorchestern. So etwas habe ich noch nie erlebt! Was für ein Geschenk! Sonne, blauer Himmel, schneebedeckte Berge und Begeisterung überall. Phil und ich finden unser Tempo, laufen 6.16 Minuten auf den Kilometer, befinden uns rund 150 Meter vor dem 6-Stunden Pacemaker. Beim Verpflegungsstand KM 15 greife ich mir einen Powerbar-Riegel und Isogetränke. Plötzlich zieht der Pacemaker vorbei. Der Weg nach Lauterbrunnen wird enger, wir fallen weit hinter den Ballon zurück.
KM 21 Lauterbrunnen

Phil und ich erreichen Lauterbrunnen.

Unsere Support Crew bestehend aus Ronald, Axel und Jeanette feuern uns begeistert an. Bei KM 21,1 passieren wir die erste Zeitmessung: 2.23 Stunden. Noch liegen wir gut in der Zeit. Ich tausche meinen Trinkgürtel gegen den Hüftgürtel mit warmer Kleidung. Ich werde sie nicht brauchen, aber in den Bergen muss man auf alles vorbereitet sein. Nach der Schleife zu den Trümmelbachfällen erhöhe ich das Tempo. Phil und ich wollen in die Berge, wir haben es satt, nur auf der Ebene zu laufen. Wir treffen Mark, einen Landsmann von Phil aus Ontario, Kanada. Auch er läuft seinen ersten Jungfrau-Marathon. Er wird ihn leider nicht schaffen.
Bei KM 25,5 zweigt der Weg rechts ab und führt steil aufwärts. 26 Serpentinen bis Wengen! Phil ist in seinem Element. Die Kraft aus der Socke! Keine Probleme mit der Wade! Schnell ist er eine Serpentine vor mir. Die Gespräche zwischen den Läufern sind längst in ein Keuchen übergegangen. Plötzlich ruft Phil aus Leibeskräften: “Are we having fun yet?” “Yes, Yes”, tönt es von manchen. Kurz vor Wengen. Einige müssen sich eingestehen, dass sie sich mit dem Lauf übernommen haben. Hier geben die ersten auf. Phil und ich erreichen Wengen bei KM 30,3 nach 3.45 Stunden. Noch immer liegen wir super in der Zeit – sogar unter 6 Stunden. Aber weshalb ist der Pace-Maker nicht mehr zu sehen?

Trennung nach 34 Kilometern
Nach KM 34 muss ich Phil zurücklassen. Er hat Magenprobleme und kann das Tempo nicht mehr halten. 34 Kilometer haben wir gemeinsam geschafft, uns bei jedem Kilometer abgeklatscht. Und jetzt soll ich ohne ihn weiter? Das fällt mir so schwer, aber ich muss meinen Rhythmus halten. Wir reichen uns die Hände und wollen uns im Ziel wieder sehen. Bei KM 37 öffnet sich vor mir das Panorama von Eiger, Mönch und Jungfrau.




Links auf einer Anhöhe in einer Wiese steht ein Dudelsackspieler in schottischer Tracht und spielt ein Volkslied. Ich kenne es nicht. Aber dieser Augenblick wird mir als schönster Moment in Erinnerung bleiben: Die Berge, der blaue Himmel, meine Dankbarkeit über mein Leben, die Melodie des Dudelsackspielers – ich kann nicht anders, ich bin so ergriffen, dass mir die Tränen kommen. Andere empfinden es genauso und können auch ihre Tränen nicht zurückhalten.
Ein Sturz mit Schrecksekunde

Ich passiere Wixi bei KM 37,9 und damit die letzte Zeitkontrolle. Bis hierher habe ich 5.07 Stunden benötigt. Es ist jetzt kurz nach 14 Uhr. Alle Läufer die nach 14.35 Uhr dort ankommen, werden aus dem Rennen genommen. Ich kann Phil nicht sehen. Wird er rechtzeitig durch Wixi kommen? Jetzt wird der Pfad steiler und enger. Wie Perlen an einer Schnur reihen sich die Läufer auf dem schmalen Weg ein. Schritt für Schritt geht es vorwärts – hinauf zur Moräne. Bei einer Verpflegungsstation greife ich mir einen Pappbecher mit Wasser. Dann passiert es. Eine felsige Stelle, ich trete auf, rutsche ab, der Becher gleitet mir aus der Hand und ich falle mit allen Vieren voran auf den harten Fels. Sofort rapple mich auf, es ist nichts passiert, auf allen Vieren krabble ich über den Fels bis ich mich wieder aufrichten kann. Nur weiter, nur weiter denke ich. Ich will nicht zurückfallen. Nicht jetzt, wo ich doch so weit gekommen bin.
Die letzten Kilometer: Moräne, Schoggi-Felsen und bange Minuten



Alphornbläser begrüßen die Läufer, Schweizer Fahnen werden geschwungen. Die Schlange bewegt sich schier endlos bergauf. Ich erreiche die Moräne. Es ist kalt und windig. Egal, ich will weiter. Habe noch Kraft in den Beinen und überhole zwei Läufer vor mir, die nur sehr schleppend vorankommen. Am Felsen, wo der Weg von der Moräne abzweigt, spielt wieder ein Dudelsackspieler.



Diesmal erkenne ich die Melodie: “Nehmt Abschied Brüder”. Lachend recke ich meine Daumen in die Höhe als ich Fotografen entdecke. Jetzt geht es ein Stück bergab, ich laufe und nehme die letzten Schritte hinauf zur Locherflue, dem höchsten Punkt der Strecke. Der Felsen wird liebevoll “Schoggifelsen” genannt – wegen der Schokolade, die dort für die Läufer bereitgehalten wird. Auch ich greife zu. Lasse mir von freundlichen Mitarbeitern über die felsigen Absätze helfen. So kurz vor dem Ziel zu stürzen, das wäre jetzt fatal. KM 41 ist passiert. Gleich bin ich im Ziel! Ich trabe weiter, genieße die letzten paar hundert Meter. Ein Mann klatscht mir zu “Nur noch 500 Meter, gleich ist es geschafft!” Der Weg wird steiler, es geht bergab und ist rutschig. Ich gehe auf Nummer Sicher, mache langsam. Einige Läufer hetzen an mir vorbei als würde das Ziel in einer Minute geschlossen werden.

Ich lasse mir bewusst Zeit, breite meine Arme aus und laufe mit einem strahlenden Lächeln nach sechs Stunden und sechs Minuten durch die Ziellinie auf der Kleinen Scheidegg! Ich umarme die Helferin, die mir die Medaille umhängt, so glücklich bin ich. “Die hast du dir auch wohlverdient,” sagt sie mir und strahlt.




Im Ziel warten bereits Tammy und Silke. Yvonne ist nach 5.19 Stunden als erste von unserer feg-runners Gruppe ins Ziel gelaufen. Olaf und Christoph sind gemeinsam nach 5.26 Stunden über die Ziellinie. Tammy kam nach 5.47 Minuten, Silke nach 5.57 Minuten ins Ziel. Kaum zu glauben, aber sie hatten Stau auf der Moräne und wären ohne die Unterbrechung mit noch besseren Zeiten ins Ziel gekommen. Ich bin ohne Stau nach 6.06 Stunden auf der Kleinen Scheidegg angekommen. Doch jetzt folgen bange Minuten. Wird Phil es schaffen? Tammy hat eine SMS erhalten. Phil hat Wixi noch vor dem Zeitlimit passiert. Es müsste also noch reichen. Nur noch wenige Minuten bis Zielschluss! Da, endlich kommt Phil! Auch er erreicht das Ziel nach 6.20 Stunden als Finisher! Alle sieben Läufer der feg-runners Laufgruppe haben den 17. Jungfrau Marathon als Finisher beendet!
Wir können es kaum fassen: Eben haben wir den härtesten Marathon Europas beendet und fühlen uns so frisch, haben keine Schmerzen und strahlen über alle Backen. Kann das wirklich sein?



Abends tragen wir unsere Finishershirts und feiern bei einer sehr leckeren Pizza im Restaurant Steinbock in Lauterbrunnen. Später lassen wir den Tag in der Ferienwohnung bei leckerem Schoko-Kuchen, den Tammy gebacken hat, ausklingen.
Fazit: Ein unglaublich schöner Marathon mit atemberaubenden Aussichten, tollem Publikum, sehr fairen Mitläufern und einer superguten Organisation! Das muss man wirklich sagen – ein Kompliment an die vielen Helfer, die uns immer freundlich mit Essen und Trinken versorgt haben. Und ein ganz besonderes Dankeschön natürlich an Tiffany, Jeannette, Ronald und Axel für ihre Unterstützung.

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